Das StadtRadio Göttingen berichtete am 20.03.2014 in der Sendung “Aufgeweckt – mehr am Morgen” über die Fachtagung zum Thema “Gelebtes Netzwerk Betriebliches Gesundheitsmanagement – Implementierung aus sechs Perspektiven”. Sie finden hier den Text des Beitrags und den Link zur Seite des StadtRadio Göttinegn. Dort können Sie sich den beitrag auch anhören.

StadtRadio Göttingen

Burnout verhindern? Betriebliches Gesundheitsmanagement
Sendung: Aufgeweckt – Mehr am Morgen
Autor: Alexandra Müller
vom 20.03.2014

Zunehmenden Zeitdruck und steigende Verantwortung kennen viele Berufstätige. Stress wird zu einem ständigen Begleiter in der Arbeitswelt. Betriebliches Gesundheitsmanagement soll verhindern, dass Arbeit krank macht. Die Göttinger Werkstätten haben gemeinsam mit fünf weiteren Unternehmen der Behindertenhilfe ein Projekt ins Leben gerufen, das das Gesundheitsmanagement in den Unternehmen auf den Weg bringen soll. Auf einer Fachtagung in Northeim wurde das Projekt „Unternehmen Gesundheit“ jetzt vorgestellt und Erfahrungen mit betrieblichem Gesundheitsmanagement ausgetauscht. Alexandra Müller berichtet.

Burnout taucht 1901 das erst Mal bei Thomas Mann auf. Die Romanfigur Thomas Buddenbrook präsentiert einen Zustand emotionaler, körperlicher und psychischer Erschöpfung, mit dem heutzutage viele Berufstätige zu kämpfen haben. Die zunehmenden Anforderungen im Beruf und die Zeitverknappung führen zu Arbeitsverdichtung, Überforderung und Stress. Laut einer Studie litten im Jahr 2010 in Deutschland 40.000 Menschen an Burnout. Die Entstehung kann von persönlichen Faktoren, aber auch von Klienten, besonders in helfenden Berufen, abhängen. Auch soziale Aspekte wie die Interaktion mit Kollegen und die Arbeitsorganisation können eine Rolle spielen. Burnout entwickelt sich schrittweise, wie Elke Driller von der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl erklärt.

,,Burnout ist ein Prozess, der in drei Phasen verläuft. Die erste Phase ist persönliche Erschöpfung, die zweite Phase ist so eine Depersonalisierung oder auch in anderen Berufen, also außerhalb der helfenden Berufe als Zynismus zu bezeichnen und die dritte Phase wäre dann tatsächlich die reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit, dass man das Gefühl hat, man kann seinen Job gar nicht mehr so gut erfüllen und das führt eben dazu, dass man so Versagensgefühle hat und sich dann auch sozial immer mehr zurückzieht.“ (Prof.in Dr. Elke Driller, Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung Brühl)

Um gegen Burnout anzugehen, haben die Göttinger Werkstätten Ende 2009 das Projekt „Unternehmen Gesundheit“ ins Leben gerufen, das von dem Europäischen Sozialfond und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wird. Auf einer Fachtagung in Northeim wurde das Projekt jetzt vorgestellt. In einem Zeitraum von drei Jahren soll es, in insgesamt sechs Unternehmen aus dem Bereich der Behindertenhilfe, das betriebliche Gesundheitsmanagement fördern. Wie dies in der Praxis aussieht, erzählt Projektleiterin Marion Laudenbach.

„Die praktische Umsetzung des Projektes erfolgt natürlich auf mehreren Ebenen. Wir hatten mehrere Handlungsfelder, die wir beackert haben und im Großen sind drei vorangekommen bzw. wurden beackert. Das waren die Führungskompetenz, der berufliche Wandel und die Verhältnisse und Verhaltenspräventionen. Dort haben wir mehrere Maßnahmen angeboten. Maßnahmen heißen jetzt nicht nur Sportangebote/Bewegungsangebote – die waren auch mit dabei – aber vor allen Dingen ging es auch um Workshops, wo wir in die Prozesse, z.B. in das betriebliche Eingliederungsmanagement ‘reingeguckt haben und uns einfach ausgetauscht haben im Netzwerk.“ (Marion Laudenbach, Göttinger Werkstätten)

Auch andere Workshops wie Stressmanagement und Team- und Kommunikationsstrainings sowie Suchtprävention werden angeboten. Ziel des Projektes ist es, Gesundheitsmanagement auf allen Ebenen in die Unternehmenskultur zu integrieren. Ende April 2014 geht die Förderungsphase des Projektes zu Ende. Esther Wesely-Arents ist Projektkoordinatorin von ,,Unternehmen Gesundheit“:

„Also in dem Projekt haben wir festgestellt aus der Ist-Analyse, dass die Hauptkernpunkte die Themen Führung, Wertschätzung und Kommunikation sind, an denen wir auch intensiv gearbeitet haben und das Projekt soll jetzt auch nicht zu Ende sein, sondern es geht jetzt in die nächste Runde. Alle Geschäftsführer haben sich zusammen getan und ein freiwilliges Papier miteinander unterschrieben, in dem sie vereinbaren, dass BGM auch weiterhin ein Top-Thema sein soll. “ (Dr. Esther Wesely-Arents, Göttinger Werkstätten)

Sechs Gesundheitszirkel mit jeweils einer Projektleitung sollen einen unproblematischen Übergang vom Projekt zur Nachhaltigkeit möglich machen. Die Zirkel sind Ansprechpartner für die Mitarbeiter und diskutieren regelmäßig das Thema Gesundheitsmanagement in den Unternehmen. Sie sollen auch in Zukunft einen starken Fokus auf die Gesundheitsförderung setzen. Derzeit wird ein Werkzeugkoffer entwickelt, der Erfahrungen und Stolpersteine sammelt und auch anderen Unternehmen die Möglichkeit geben soll, ein betriebliches Gesundheitsmanagement, zugeschnitten auf ihre eigenen Strukturen, zu entwickeln.

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Bild: Dr. Esther Wesely-Arents (Göttinger Werkstätten)